[Blogtour] Edingaard, Tag 6: Zusätzliche Szene

Freitag, 27. Januar 2017


Hallo meine Lieben!

Herzlich Willkommen zu Tag 6 unserer fantastischen Reise durch Edingaard! Hat es euch bis hierher gefallen?

Bei mir könnt ihr heute eine Zusatzszene zu Band 1 lesen. Sie enthält natürlich keine Spoiler und lässt sich zeitlich zwischen Kapitel 2 und 3 anordnen.

Der große, düstere Mann verlagerte seine Sitzposition, ohne den Blick vom Eingang des Hörsaalgebäudes zu nehmen. Er seufzte und rückte seine Sonnenbrille zurecht. Er wusste, dass er ausgerechnet heute, an diesem trüben, grauen Tag, völlig albern damit wirken musste, doch das war ihm egal. Er war ohnehin alles andere als unauffällig in einer Stadt, die von schmächtigen, pickeligen Studenten nur so wimmelte.
Zumindest erlaubte ihm seine Brille, die Tür im Auge zu behalten, ohne dass jeder Dahergelaufene sah, wie intensiv er sie musterte. Das Buch auf seinem Schoß, das er zu lesen vorgab, lieferte zudem eine Erklärung für seine Anwesenheit, ebenso wie der Studentenausweis, den er für alle Fälle in seiner Tasche hatte. Das war das Tolle an dieser Welt, es war so einfach, sich anzupassen, so leicht, den Anschein von Normalität zu erwecken.
Die Tür ging auf. Eine Traube junger Menschen strömte heraus. Die Vorlesung war zu Ende. Er suchte die Menge mit seinen Blicken ab, doch sie war wieder nicht dabei.
Er knurrte frustriert. Wie lange wollte sie noch dort drin bleiben? Seit über vier Stunden hockte er schon hier und wartete darauf, dass sie rauskam. Auch wenn er selbst nicht wusste, was er dann tun sollte, hatte sich noch immer nicht entschieden, wie es weitergehen würde.
Sie wusste, dass er sie beobachtete. Er hatte deutlich die Angst und die Wut in ihren Augen gesehen, als sie ihn gestern zur Rede gestellt hatte. Das war der Moment gewesen, als er erkannte, dass er schon wieder zu spät gekommen war.
Vielleicht sollte er sie einfach töten. Sie war ein jämmerliches, kleines Mädchen, das keine Ahnung von dem Wirbelsturm hatte, in dessen Mitte sie sich befand. Wenn sie starb, würde das Schicksal von Neuem beginnen. Vielleicht hätte er dann endlich die Chance, es in seinem Sinne zu lenken, endlich den Lohn zu erhalten, den seine Göttin ihm versprochen hat.
Die Tür fiel ins Schloss. Es war niemand mehr zu sehen.
Der Krieger runzelte die Stirn und legte das Buch auf seinen Knien achtlos beiseite. Er war sich sicher, dass dies der einzige Ausgang aus dem Gebäude war, und auch, dass sie ihm nicht entwischt sein konnte. Es sei denn … Es sei denn, sie hatte es durch ein Fenster verlassen.
Aber wieso? Welchen Sinn hätte so eine Aktion?
Er hatte sie lange genug beobachtet. Er wusste, wo sie wohnte. Er kannte ihre Freunde. Sie würde sich nicht dauerhaft vor ihm verstecken können.
Er erhob sich und strich seinen langen Ledermantel glatt, steckte die Sonnenbrille in die Tasche, um besser sehen zu können. Mit wenigen, langen Schritten durchmaß er den kleinen Hof, der seinen Beobachtungsposten von dem Eingang des Hörsaals trennte. Der Saal war verlassen.
Ärger stieg in dem Krieger hoch, eine ungeheure Wut auf das Mädchen, auf sich, auf diese ganze verdammte Lage!
Er hätte ihr die Kehle durchschneiden sollen, als er die Chance dazu gehabt hatte. Spätestens, als er gemerkt hatte, dass sie sich niemals auf das einlassen würde, was er ihr antrug, dass sie bis zum Schluss für ihre Überzeugung kämpfen würde – wie fatal und schmerzlich es für sie auch wäre.
Er ließ seine Faust mit aller Wucht gegen das glatte Metall des Türrahmens knallen, genoss die Erschütterung, den Schmerz, der ihn für kurze Zeit von seinem unbändigen Zorn ablenkte.
Plötzlich ging ein Ruck durch seinen Körper. Da war etwas, etwas, das er vor langer Zeit schon einmal gespürt hatte.
Es war, als hätte jemand mit einem dünnen Haken an seinem Innersten gerissen, als würde ihn eine geheime Macht unerbittlich mit sich fortzerren.
Keuchend fiel der Krieger auf die Knie und vergrub seinen Kopf in den Armen, während er darum kämpfte, seinen rasenden Herzschlag zu beruhigen, die Gedanken zum Schweigen zu bringen, die in seinem Kopf tanzten.
Er wusste, wo sie war. Und das war alles, was zählte.
Den Schmerz in seiner Brust ignorierend, kämpfte er sich hoch. Der würde vergehen, sobald er diese Welt verließ, sobald er ihr gefolgt war … zurück nach Edingaard.
Er stürmte aus dem Saal nach draußen und spürte freudig den frischen Wind, der seine erhitzte Stirn kühlte. Er musste sich beeilen. Er musste das Mädchen aufhalten, bevor sie ihrem Julien zu Hilfe eilen, bevor sie ihren Geliebten retten konnte.

Er brauchte nicht lange, um sein winziges Ein-Zimmer-Appartement zu erreichen, das herrlich anonym in einem größeren Gebäudekomplex lag.
Ohne sich um die feuchten Fußabdrücke zu kümmern, die seine Schuhe auf dem billigen Teppichboden hinterließen, eilte er zu seinem Bett und hob die Matratze hoch. Fast ehrfürchtig holte er das lange, in dunkles Tuch eingeschlagene Bündel hervor, das in dem darunterliegenden Hohlraum zum Vorschein kam.
Sein Schwert, seine treue Klinge, die das Blut unzähliger Feinde vergossen hatte. Es war an der Zeit, sie erneut davon kosten zu lassen.
Er schlang seinen Gürtel durch die Schlaufe der abgegriffenen Lederscheide und befestigte sie damit an seiner Hüfte. Prüfend schaute er an sich herab, vergewisserte sich, dass sein langer Mantel die tödliche Klinge verbarg. Dann holte er einen Rucksack aus seinem Schrank hervor. Er hatte ihn vor Jahren auf einem Mittelaltermarkt bestellt und mit all den Dingen ausgestattet, die er brauchen würde – falls er nach Edingaard zurückging.
Ein grimmiges Lächeln spielte auf den Lippen des Kriegers, als er – ohne sich noch einmal umzudrehen – seine karge Wohnung verließ. Das Gewicht des Schwertes an seiner Hüfte verlieh ihm das vertraute Gefühl von Sicherheit.
Es hatte wieder begonnen.
Er würde das Mädchen finden.

Und dieses Mal würde ihn niemand mehr aufhalten.


Und, wie gefällt euch die Szene?? 


Gewinnspiel: 


1. Preis: Gesamte Trilogie als Taschenbuch mit Wunschwidmung



2. + 3. Preis: Ein Edingaard Goodie-Set (bestehend aus Block, Postkarte, Streichhölzern und Lesezeichen)














Zusätzlich erhalten alle Teilnehmer der Expedition eine exklusive, nicht veröffentlichte Kurzgeschichte aus Edingaard im Wunschformat (epub oder mobi)!

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Gewinnspielfrage:
Was meint ihr? Wer ist Hauptprotagonist in dieser Szene? 

Kommentiert einfach diesen Beitrag mit eurer Antwort zur Gewinnspielfrage UND eurer Mailadresse und schon seid ihr im Lostopf.
Wenn ihr den von mir auf meiner Facebookseite (*klick*) geteilten Beitrag zur Tour zusätzlich noch kommentiert, dann bekommt ihr noch ein Extralos für die Verlosung.

Es zählen alle Antworten / Kommentare, die bis zum 29.01.2017 – 23.59 h gepostet werden. Danach wird ausgelost. Für die Teilnahme müsst Ihr mindestens 18 Jahre alt sein, eine Postanschrift in Deutschland besitzen und mit der Veröffentlichung Eures Namens auf den Blogs und anderen Plattformen im Internet (z.B. bei facebook) einverstanden sein.

Für die exklusive Kurzgeschichte schreibt bitte einfach eine kurze eMail an elvira_zeissler@gmx.de mit Angabe des Kennwortes "Ibertus".

Alle Teilnehmer der Tour
Bambinis Bücherzauber: Video-Buchvorstellung
 Der Lesefuchs: Video-Lesung 
 Magische Momente: Prota-Interview
 Lina's Büchertraumwelt: Magische Wesen
 Manus Tintenkleckse: Plaudern über Edingaard 
 LesenLiebenTräumen: Exklusive Bonusszene 
 Süchtig nach Büchern: Ursprünglich geplantes Ende der Trilogie 

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    also mir gefällt die vorgestellte Szene sehr gut, weil alles sehr gut geschrieben wird.

    Ich finde es gibt, keinen wirklichen Hauptprotagonist denn jede Handlung braucht Akteure also auch mögliche Nebenfiguren

    ...auch wenn sich der Mann mit dem Messer/Klinge zur Zeit in der Hauptrolle wähnt...mit der neuen Zeile rückt das Mädchen vom Hintergrund in den Vordergrund und der Mann mit dem Messer/Klinge wird zur Nebenfigur,

    weil jeder wissen will...ich auch jetzt schon im Übrigen...was das Mädchen angestellt hat, dass der Mann es unbedingt finden muss/will...

    LG..Karin..

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  2. Eine wunderbare Ergänzung, mit......natürlich Brin dem Krieger.
    Catherine

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  3. Hallöchen und Ich glaube das es der Krieger hier ist :-)

    Und jetzt mag ich unbedingt gerne weiter lesen wollen da der Auszug echt toll zu lesen war und ich gerne wissen mag wie es nun weiter geht! :-)

    VLG Jenny

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  4. Hey, tolle Szene und ich denke es geht um Brin.

    LG Lara lara92.home@gmail.com

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  5. Huhu,
    Schöner Ausschnitt, Elvira verschafft es immer zu verzaubert.Ich mag wie sie schreibt.
    Also ich bin auch der Meinung gerade hier sieht man wie die Figuren wechseln und das neben auch schnell mitten drin ist. Allein aus den Gedanken Heraus wechselt der Mann die Protas durch. Sehr schön gedacht und gemacht.
    Liebe Grüße
    Ute

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  6. Hallo,

    danke für die tolle Szenen, die mich neugierig gemacht hat... ich denke auch dass es Brin ist ;)

    LG

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  7. Hallo und vielen Dank für diese zusätzliche Szene! Sie gefällt mir sehr gut. Ich finde sie sehr spannend. Sie hat mich sehr neugierig gemacht, wie es weitergeht. Außerdem finde ich den Schreibstil sehr schön und kann mir die Szene sehr bildhaft vorstellen.

    Viele liebe Grüße
    Katja

    kavo0003[at]web.de

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  8. Huhu,

    das ist eine wirklich schöne Szene.. und nach dem was ich bisher so weiß würde ich auch auf Brin tippen^^

    LG
    cassie.blatt@gmail.com

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  9. Sehr schön geschrieben :)
    Diese Szene dreht sich um Brin.
    mausmelle@yahoo.de

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  10. Hallo,
    die Zusatzszene war sehr interessant 😊 ich würde auch auf Bin tippen ☺

    Liebe Grüße
    Natascha

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