[Rezension] Raik Thorstad- Leben im Käfig(Spoiler?)

Dienstag, 29. Oktober 2013


Titel: Leben im Käfig
Autor: Raik Thorstad
Einband: Taschenbuch
Preis: 12,95€
Verlag: Incubus Verlag
Kaufen: *Hier*
Bewertung: 5 von 5 Punkten

Inhalt:
Der neunzehnjährige Andreas von Winterfeld hat alles, was man sich als junger Erwachsener vom Leben wünschen kann. Nur seine Gesundheit lässt ihn im Stich. Das Haus zu verlassen, versetzt ihn in rasende Angst. Eingepfercht in seinem goldenen Käfig vegetiert er dahin.
In diese Hölle aus Langeweile und Angst platzt der Abiturient Sascha, der nach Streitereien sein Elternhaus verlassen hat. Sascha bringt seine eigenen Probleme mit, denn er muss damit leben, dass er in den Augen seiner Eltern auf einmal ein anderer ist als vor seinem unfreiwilligen Coming-Out.
Über die Buchsbaumhecke der Hamburger Gärten hinweg treffen sich zwei junge Männer, die sich in ihrer Verlorenheit verbunden fühlen.

Meinung:
"Leben im Käfig" ist ein Buch, bei dem ich total hin und hergerissen war. Und es fällt mir wirklich schwer, meine Gedanken in dieser Rezension zusammenzufassen.
In diesem Buch werden sehr viele Problematiken angesprochen. Andreas hat mit Angstzuständen zu kämpfen und kämpft ebenso um die Liebe seiner Eltern, die ihn eher sich selbst überlassen. Er lebt also in schwierigen Familienverhältnissen, ist zudem auch noch schwul, was aber niemand weiß.

Und auch Sascha hat mit Problemen zu tun. Er musste zu seiner Tante ziehen, weil seine Eltern nicht mit seiner Homosexualität klarkommen. Er lebt also in einer neuen Stadt mit dem Kopf voller Problemen.

Dann treffen diese beiden Personen aufeinander. Sie verstehen sich, kommen sich nach einigem Zögern auch immer näher.
Die erste Liebe wird zum großen Thema. Es ist alles neu und aufregend und zugleich etwas beängstigend für Andreas, weil er vorher nie jemanden so nah an sich heran gelassen hat.

Dadurch dass das Buch abwechselnd aus der Sicht der beiden jungen Männer geschrieben wird, bekommt man einen sehr detaillierten Einblick in ihre Gefühlswelt. Man kann sich sehr gut vorstellen, was in den beiden vorgeht und wie überfordert sie teilweise mit ihrer Situation sind.
Es gibt Gefühlschwankungen wie im echten Leben, mal ist alles rosarot und wundervoll, im nächsten Moment überwiegen dann doch wieder die problematischen Seiten ihres Lebens.
Manchmal ist es etwas viel hin und her, aber es ist eben wie im echten Leben.

Natürlich spielt auch die körperliche Liebe der beiden eine Rolle in der Geschichte. Dies wird aber alles sehr authentisch dargestellt. Es gibt keine Szenen, die nach Porno klingen sondern es passt alles perfekt in die Geschichte, zur ersten Liebe und zum ersten Mal. Man spürt die Aufregung und den Reiz des neuen auch als Leser ganz genau. Die "Bettszenen" sind einfach wunderbar in die Geschichte eingepasst.
Das große Thema ist sowieso nicht der Sex, er steht nicht im Vordergrund. Es geht um Liebe, Beziehungen und Füreinander da sein.

Oftmals waren meine Gefühle genauso verwirrend, wie die der Protagonisten. In einem Moment war ich genauso verliebt, dann war ich wütend auf den ein oder anderen der Beiden. Manchmal hätte ich gern jemanden geschlagen, weil sie so blöd reagiert haben.
Aber es passte einfach alles. Man hat das Gefühl mittendrin zu sein.

Was mich am meisten aufgeregt hat war die ganze Ignoranz und Intoleranz der beiden Familien. Andreas' Eltern kümmern sich nicht um ihn, nur die Firma zählt. Andreas' Krankheit wird einfach mal ignoriert und runtergespielt. Hilfe kann er von seinen Eltern keine erwarten.

Und auch Saschas Eltern hätte ich gern mal die Meinung gegeigt. Sie behandeln ihn wie einen Aussätzigen, schicken ihn weg weil er schwul ist und sie damit nicht klarkommen! Und seine Mutter beschimpft ihn dann auch noch, dass er die Familie kaputt macht!
Also da platzte mir echt bald die Hutschnur!

Durch die leichte Sprache und die normale, echte Sprache, in der Jugendliche sprechen und denken, kann man der Geschichte wunderbar folgen und sich, wie gesagt, super in die Protagonisten hineinversetzen.

Man bekommt einen sehr guten und detaillierten Eindruck davon, wie es ist, mit einer Krankheit zu leben und wie schwer es das einem macht ein normales Leben zu führen.

Ich bin also sehr angetan von diesem Buch. Nur an manchen Stellen fühlte ich mich etwas erschlagen von all den Problemen der Beiden. Aber so spielt das Leben.

Das Ende des Buches ist offen und lässt Spielraum für die eigene Fantasie oder die Lust auf die Fortsetzung.

Fazit:
Eine tolle, authentische Geschichte, direkt aus dem Leben zweier schwuler Jugendlicher, die einen darüber nachdenken lässt, wie intolerant unsere Gesellschaft doch häufig noch ist.

Bewertung:

5 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Danke für die interessante Rezension, das klingt wirklich nach einem guten Buchtipp. Ich finde es schön, dass die angesprochenen Themen hier so authentisch dargestellt werden, das macht mir richtig Lust auf die Geschichte. Aber ich glaube, ich würde genau wie du reagieren und eine riesen Wut auf die Eltern entwickeln. Traurig, wie vielen Eltern (leider ja nicht nur in der Fiktion) sich an der Sexualität ihres Kindes aufhängen, statt es einfach so zu nehmen und zu lieben, wie es ist.

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